Immaterielles Kulturerbe
Der karneval von Lastovo
Das genaue Jahr, in dem der Karneval von Lastovo erstmals gefeiert wurde, ist nicht bekannt. Der Legende nach haben im Mittelalter die Mauren die Stadt Korčula belagert und auf die Insel Lastovo ihren Boten mit der Forderung zur Kapitulation der dortigen Bewohner entsandt. Diese nahmen den Boten fest und sperrten ihn ein. Dies war Grund genug für die verärgerten Mauren sich mit ihrer Flotte Richtung Lastovo aufzumachen, um die Insel einzunehmen. Urplötzlich brach ein großer Sturm los und versenkte mehrere feindliche Schiffe. Darauf nahmen sich die Bewohner von Lastovo den gefangenen Boten vor, setzten ihn auf einen Esel und führten ihn Zum Spott durch das ganze Dorf. Gegen Abend spannten sie ein langes Seil zwischen dem Berg, heute Karnevalsberg (Pokladareva Grža) genannt, und dem tiefsten Punkt in der Dorfmitte und seilten den Boten darauf ab. Danach führten sie ihn auf dem Esel zum Dolac-Platz, wo sie ihn unter Glockengeläut und Frohlocken verbrannten. Seit diesem Ereignis wird der Karneval von Lastovo bis heute alljährlich gefeiert. Die Feierlichkeiten folgen dabei genau festgelegten Regeln und Prozeduren. Dieser Karneval ist außerordentlich und seinesgleichen findet man nirgends in der Welt.
Er stellt einen der wertvolleren Bräuche in der Republik Kroatien dar, was auch durch die Tatsache belegt wird, dass das kroatische Kulturministerium den Karneval von Lastovo am 17. Januar 2008 als immaterielles Kulturerbe aufgelistet hat und diesen unter seinen Schutz gestellt hat.
Das statut von Lastovo
Vor sieben hundert Jahren, genauer am 10. Januar 1310, wurde in einer öffentlichen Versammlung in Lastovo das Statut von Lastovo verabschiedet, welches ein Buch der Vorschriften und Bräuche der Versammlung und der Gemeinde von Lastovo ist. Das Buch eröffnet mit der Eideserklärung der Dubrovniker Kommune, mit der sich diese dazu verpflichtet, sämtliche altertümlichen Bräuche der Inselbewohner, die sich der Kommune der Stadt Dubrovnik freiwillig ergeben haben, zu achten. Die arbeitsbezogenen und gesellschaftlichen Verhältnisse innerhalb der Inselgemeinschaft werden deutlich anhand der im selben Jahr erlassenen 30 Bestimmungen der ersten Fassung des Statuts beschrieben.
Legenden
Zahlreiche Legenden sind an die Insel Lastovo gebunden, wobei jeder seine eigene Geschichte über diese erzählen kann. Dies sind nur einige davon…
- man glaubt, daß im Ort Ubli, genauer an der heutigen Ausgrabungsstelle der altchristlichen St.-Petrus-Basilika, 12 goldene Apostelstatuen vergraben sind
- in vergangenen Zeiten haben die Bewohner der Insel Lastovo von der Pflanzung von Walnussbäumen abgesehen, da man der Überzeugung war, unter Walnussbäumen würden sich Hexen versammeln; zugleich erfreute sich Knoblauch als Mittel gegen jegliche Art von Verwünschung besonderer Beliebtheit
- an Orten, wo sich Wege dreifach gabeln, wurde man von Hexen „nicht in Ruhe gelassen“, da dies deren Treffpunkt war; demgegenüber weilten Feen in der Rača-Höhle, deren Korridor bis zum Meer langte
- Vampire waren auch nicht seltene Gäste – eben ihnen schob die Bevölkerung eine Lebensmittelvergiftung in die Schuhe
- Familien, vor deren Haus die Palme wächst, sind dem Aussterben geweiht
- die Legende von der Insel Glavat: der griechische Gott Zeus entsandte seinen Kundschafter, der die schönste Insel der Welt ausfindig machen sollte. Nach langer Suche, nicht in der Lage sich zu entscheiden, welche von den Inseln Lastovo, Korčula und Mljet die schönste ist, blieb der Kundschafter an diesem Ort zurück – versteinert.
Menschen
Es ist ausgesprochen schwer, typische Bewohner von Lastovo zu beschreiben, doch was sie allemal kennzeichnet, ist ihr Temperament, bzw. ihr angeborener Trotz. Sie sind laut und amüsant, stark mit ihren Familien verbunden, offen gegenüber Fremden und gastfreundlich – auf Lastovo werden Sie niemals hungrig oder durstig bleiben. Außerdem sind sie Lastovaner sehr fleißig; einst betrieben sie nur Landwirtschaft – Wein- und Olivenanbau, Viehzucht, Fischerei, sogar Korallenverarbeitung und Falknerei. Heutzutage sind sie vorwiegend im Fremdenverkehr und Handel tätig, doch es gibt noch jene Beharrlichen, die nicht zulassen wollen, daß althergebrachte Handwerke, etwa das Kalfatern (das Abdichten von Holzbootfugen), aussterben. Obwohl an der Zahl wenige, vom Festland und einigen Bequemlichkeiten des modernen Lebens weit entfernt, wiegen die Bewohner von Lastovo dies mit ihrer Lebensqualität, freundschaftlichem Umgang und dem Erfreuen an der unberührten Natur auf.
Nach einer anstrengenden Arbeitswoche ist man immer für gemütliches Beisammensein gelaunt, um zu hausgemachter Kost und Getränken bis lange in die Nacht Karten und Boccia zu spielen sowie zu tanzen und zu singen. Wie einst für den erschöpften Bauer, so ist auch für die heutigen Bewohner von Lastovo der Karneval der Höhepunkt gesellschaftlichen Lebens – die Zeit, wenn sämtliche Zwietracht vergessen wird und alle in der Hoffnung auf ein besseres Morgen zusammenkommen. Man hat bis heute nicht aufgehört, die Bräuche unermüdlich zu wahren; die im Folkloreverein Lastovo versammelte begeisterte Jugend und der a cappella Chor „Fumari“ sind der beste Beweis dafür, daß die Hinterlassenschaft der weisen Vorfahren heute noch hoch geschätzt wird. Und es ist diese Hinterlassenschaft, die uns deutlich vor Augen führt, wer wir sind und woher wir kommen.